Yunus Emre

Etwas über den Dichter ‚Yunus Emre‘

Nach einem Vortrag von Yavuz Besorak Bonn, Juni 1991

Die UNESCO hat das Jahr 1990 zu Ehren Yunus Emre’s 750 Geburtstag, als „Das Jahr der Liebe“ erklärt. Es ist ein interessanter Zufall, dass 1991 auch als „Mozart Jahr“ gefeiert wird. Es ist interessant weil im Gegenteil zu Mozart, Yunus Emre kein Freimaurer war, liegt er, aber durch seine Werke und Gedanken uns genauso nah wie Mozart. Er war einer der bekanntesten türkischen Dichter und Mystiker (Sufi) und hat durch seine Schriften das Alevitentum maßgeblich beeinflusst.

Der „YunYunus-Emre-Brunnenus-Emre-Brunnen“ in Wien
(Beim Anklicken des Bildes werden Einzelheiten des Brunnens gezeigt)

Der Name Yunus Emre ist in der türkischen Kultur ein Begriff. Er prägte maßgeblich den türkischen Humanismus. Mit seiner Philosophie und Lebensweise hat er das Ansehen eines Heiligen erreicht. Die Hauptthemen seiner Gedichte sind Menschenliebe und Gottesliebe. Seine Gedichte zeigen das geistige Leben als das Hauptziel des weltlichen Lebens. In meinem kurzen Vortrag werde ich versuchen von seinen Werken einen kleine Querschnitt vorzustellen. Sämtliche Werke von ihm sind als ILÂHI-Sammlungen (Gesangbücher) überliefert.

Diese folgenden zwei Verse veranschaulichen seine Weltanschauung sehr deutlich. Das hat Yunus Emre vor fast 700 Jahren gesagt:

Wir lieben das Geschaffne,
ja, um des
Schöpfers willen

Rachsucht und Hass haben für mich niemals existiert.
Unser wahrer Feind ist der Hass und die Rachsucht.
Ich hasse niemanden Für mich sind alle Menschen gleich.

Er lebte ungefähr zwischen 1241 und 1321. Außer seinen Gedichten ist fast nichts bekannt über ihn. Sein Geburtsort ist ein kleines Dorf mit dem Namen SARIKÖY in die Nähe von Ankara in Mittelanatolien. Er erhielt seine geistige Erziehung bei dem Sufi-Orden, bei seinem Lehrer Tapduk-Emre, einem Sufi-Meister.

Aus einigen von seinen Versen kann man sehen, dass er durch Anatolien gereist ist. Für seinen Todesort gibt es mehr als 15 yunus-emre-statueAngaben.

Es zeigt entweder, dass es über Jahrhunderte mehrere Yunus Emre’s gegeben haben muss oder, wegen seiner Beliebtheit hat man ihm in verschieden Orten Denkmäler errichtet, die später als seine Grabstellen bekannt wurden.

Der Sufismus hatte sich im 8. Jahrhundert, etwa 100 Jahre nach der Tod des Propheten Mohammed entwickelt. Der Name „Sufi“ kam von den wollenen Gewänder ( Wolle =arabisch SUF), die dieser Philosophie zugetanen Männer und Frauen trugen. Diese Philosophie basiert auf dem Grundgedanken, dass „der wahrhaft Gläubige Gott nicht aus Furcht vor der Hölle oder aus Hoffnung aufs Paradies anbetet, sondern nur um Seiner ewigen Schönheit willen.“

Er fand große Resonanz unter seinem Publikum als die einzige Hoffnung gegen alles Schreckliche, was zu der Zeit in Anatolien geschah. Die Selcuk’s sind die Herrscher in Anatolien gewesen. Die Mongolen kamen in 1231 bis Mittelanatolien, besiegten die Selcuken und hatten alles geplündert. Die Menschen waren arm und ohne jegliche Sicherheit. Mystische Gedanken waren ihre einzige Wege aus der harten Realität heraus und Yunus reflektierte gerade diese Hoffnung und protestierte gegen diese Schicksal.

Seine Gedichte sind ein guter Beweis für die Universalität der Gedanken und Ideen über Brüderlichkeit unter Menschen ohne Rücksicht auf Religion und Rasse. Gottesliebe und Liebe für seine Mitmenschen waren für ihn gleichbedeutend.